Sonntagsgedanken aus der Dorstener Zeitung von Pfr. August Hüsing

 „Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne.“ So heißt es schon im Buch der Sprichwörter. Wie wertvoll eine gute Nachbarschaft ist, konnten viele Menschen in den letzten Wochen erfahren. Nach einem Aufruf in der Zeitung und in den Pfarrnachrichten sich zu melden, wenn Hilfe für Einkäufe oder andere Besorgungen gebraucht würden, meldete sich u.a. eine Frau im Pfarrbüro. Zwei Stunden später rief sie wieder an und sagte, es hätte sich erledigt. Ihr Nachbar hätte das Wichtigste von sich aus für sie besorgt.

Es gibt Nachbarschaften von kurzer Dauer: Sitznachbarn im Zug, bei Tisch, an der Theke. Es gibt längerfristige Nachbarschaften durch das Wohnen im selben Haus, in naheliegenden Gebäuden, in der Siedlung oder Bauerschaft. Durch die räumliche Nähe bildet sich ein eigenes Sozialsystem.

Gute Nachbarn gewähren einander Hilfe und Unterstützung, ohne Entgelt und auf Gegenleistung, zum Beispiel bei der Ernte und im Krankheitsfall. Sie reagieren auf individuelle wie gemeinschaftliche Bedürfnisse, Notlagen und Krisen und helfen sie zu bewältigen.

Gerade in Krisenzeiten wie akut beim Coronavirus haben sich neue Initiativen als Nachbarschaftshilfen gebildet. Das Erstaunliche und Erfreuliche ist, dass die Hilfsangebote sogar die Nachfrage übersteigen.

Der Dichter Rainer Maria Rilke spricht sogar von Gott als Nachbarn:

„Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal in langer Nacht mit hartem Klopfen höre, so ist´s, weil ich dich selten atmen höre und weiß: Du bist allein im Saal. Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da, um deinem Tasten einen Trank zu reichen: ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen. Ich bin ganz nah.“

Bleiben wir oder werden wir hörbar und nah für die Wünsche oder Bedürfnisse unserer Nachbarn.

Bleiben wir oder werden wir gute Nachbarn.

 

 

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