Spiritueller Impuls am Sonntag – Der Herr am Ufer

Wenn wir am Ende sind mit unserer Kraft, mit unserer Hoffnung, dass ein neuer Morgen kommt,

wenn wir enttäuscht die Hände sinken lassen und meinen, alle Mühe war vergebens,

wenn unsere Netze leer sind, leer, wie unsere Hände,

dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn uns unsere Schuld bedrückt, weil wir verleugnet haben oder verraten oder einfach nur vergessen,

wenn uns ein Name entfällt, den wir schwer enttäuscht, den wir zu wenig geliebt, dem wir Unrecht taten,

wenn wir uns fragen, ob wir dich wohl lieben, Gott,

dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn wir uns sammeln, um einen schlichten Tisch, auf dem nichts steht als Brot und Wein,

ein Bissen nur, ein Schluck zum Überlegen, wenn wir das alles, was sich angesammelt hat in uns

an Hoffnung und Enttäuschung der vergangenen Woche, zusammenfassen in der Bitte;

„Herr, bleibe bei uns!“ – jetzt in dieser Stunde, und gleich, wenn wir hinausgehen,

und morgen, wenn der graue Alltag wieder kommt, dann stehst du, Herr, am Ufer.

Text. Hermann Josef Coenen

Foto: Sieger Köder Museum Ellwangen

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